Unser Steinzeithirn ist für die Savanne gemacht – nicht für ERP-Roadmaps, Lieferantenauswahl oder Personalentscheide. Wer die sechs häufigsten Denkfehler kennt, korrigiert sich, bevor es teuer wird.
Sechs typische Denkfehler
Survivorship Bias
Wir hören nur von den Erfolgreichen und verkennen, wie unwahrscheinlich Erfolg ist. Bewerte Wahrscheinlichkeiten, nicht die eine Referenz-Erfolgsgeschichte.
Confirmation Bias
Wir biegen Fakten zurecht, bis sie ins eigene Weltbild passen. Selbst Ökonomen taten das vor der Finanzkrise 2008 – rückblickend erschien alles logisch, vorausgesagt hat es kaum jemand. Suche aktiv nach widersprechenden Hinweisen.
Authority & Halo-Effekt
Titel und Status ersetzen sachliche Prüfung. Im Projekt klingt das so: «Der Hersteller hat gesagt, das geht im Standard.» Prüf die Aussage trotzdem im Prototyp – Status ist kein Argument.
Sunk-Cost-Falle
Bereits entstandene Kosten gehören in keine Zukunftsentscheidung. Typisch: Nach Monaten Eigenentwicklung will niemand zurück zum Standard – auch wenn der Standard ab heute günstiger wäre.
Verlustaversion
Mögliche Verluste wiegen schwerer als gleich grosse Gewinne. Deshalb läuft das Altsystem «noch ein Jahr» weiter, obwohl der Nutzen des Wechsels längst feststeht.
Self-Serving Bias
Erfolge schreiben wir uns selbst zu, Misserfolge den Umständen. Im Go-live-Review heisst es dann: Die Daten waren schlecht, der Kunde hat zu spät geliefert – die eigene Schätzung war nie das Problem.
«Allem, was spektakulär, grell und laut ist, schreiben wir eine zu hohe Wahrscheinlichkeit zu.»
Sieben Gegenfragen vor der nächsten wichtigen Entscheidung
- 01Was würde diese Entscheidung widerlegen?
- 02Entscheide ich wegen bereits investierter Kosten oder aus Ego?
- 03Wer hat die erste Zahl gesetzt, an der ich mich orientiere?
- 04Wie oft gelingt das grundsätzlich – nicht nur in diesem einen Fall?
- 05Vergleiche ich mit der besten Alternative oder nur mit dem Status quo?
- 06Welche Anreize hat, wer mir das rät?
- 07Würde ich heute neu einsteigen, wenn ich es nicht schon hätte?
Bias-Wissen allein schützt nicht
Der Bias Blind Spot ist selbst ein Denkfehler: Bei anderen erkennst du Denkfehler mühelos, bei dir selbst kaum. Wirkung entsteht erst, wenn die Gegenfragen als feste Checkliste an konkreten Entscheidungspunkten hängen – zum Beispiel vor jedem Lenkungsausschuss-Entscheid einmal durchgehen. Wissen allein reicht nicht.
Praxis-Einordnung
Quellen: Rolf Dobelli, «Die Kunst des klaren Denkens» und «Die Kunst des klugen Handelns»